WAZ, Dezember 2015

(Zu "Fred & Otto unterwegs im Ruhrgebiet")

Hunde-Lektüre : Autor aus Oberhausen schreibt Stadtführer für Hunde
Der Autor Markus Bötefür gibt in seinem Stadtführer für Hunde Tipps und erzählt spannende Geschichten rund um die geliebten Vierbeiner.

Schon als Steppke ist Markus Bötefür mit den zwei Familien-Bernhardinern Corso und Arno durch Alstaden geflitzt. Hunde waren ihm also schon immer nah. Warum sich also nicht auch beruflich mit ihnen befassen, dachte sich der Autor und hat den Hundestadtführer „Fred und Otto“, den es schon erfolgreich in Berlin gibt, für das Ruhrgebiet aufgelegt. Auf mehr als 200 Seiten gibt es darin spannende Geschichten rund um die geliebten Vierbeiner, Porträts, wichtige Adressen, Gassigeh- und andere Tipps.

Am meisten bewegt hat ihn dabei der Besuch bei der Oberhausener Tiertafel. „Da merkt man, wie viel so ein Hund seinem Besitzer bedeutet“, sagt der 50-Jährige. Vor allem bei älteren Menschen merke er das. „Für sie ist das Tier ihr ein und alles.“ Und wenn für den Hund das Futter knapp wird, sind sie auf Spenden angewiesen. Die Spenden kommen von Privatleuten und Unternehmen und gehen an die Tiertafel. Dort können bedürftige Halter dann Futter bekommen.

Die „Ruhrpott-Möpse“

Die Themen in Bötefürs Hundeführer sind vielfältig. Da werden „Ruhrpott-Möpse“ vorgestellt, eine Psychologin beleuchtet die Mensch-Hund-Beziehung. Der Autor gibt einen Überblick über Hundefreilaufflächen und andere Spaziergeh-Möglichkeiten im Revier. Bötefür porträtiert Tierheime und Gnadenhöfe, arbeitet Probleme auf wie die katastrophale Lage von rumänischen Straßenhunden und stellt verschiedene Varianten der Hundefütterung vor. Er erklärt, was bei Zeckenbissen zu tun ist, rechnet vor, ob sich eine Hunde-Krankenversicherung lohnt, und stellt Therapiehunde vor, die ihren gesundheitlich eingeschränkten Haltern das Leben erleichtern.

Einen eigenen Hund hat der Autor gerade nicht. „Ich hätte leider viel zu wenig Zeit für ihn“, sagt er. Der passionierte Petrijünger schreibt regelmäßig auch für Anglermagazine, für seine Reportagen ist er oft im Ausland unterwegs, wie zuletzt in Irland.

Hund auf Krankenschein

Wie gut, dass man an der Alstadener Ruhr, wo wir den Oberhausener zum Gespräch treffen, nicht lang hundelos bleibt: Mit Kalle Kozlowski, dem womöglich knuffigsten Hund der Nachbarschaft, freundet sich Markus Bötefür schnell an. Posieren fürs Foto? Gar kein Problem, findet Besitzerin Martina Kozlowski. Denkt sich wohl auch Kalle und guckt geduldig in die Kamera.

„Ein netter Hund“, sagt Bötefür. Überhaupt seien die Tiere was Tolles. Sie täten dem Menschen so gut. „Ein Hund sollte von der Krankenkasse bezahlt werden, sagt mein Onkel immer. Und der ist Arzt.“ Sein Buch sei deshalb mehr als ein Service für Hundebesitzer. Mit den Geschichten möchte er auch allen anderen Lesern so ein „Hundeleben“ im Revier näher bringen.

Nadine Gewehr
 

Bild, April 2015

(Zu "Fred & Otto unterwegs im Ruhrgebiet")

Revier-Fibel für vier Pfoten

Ob klein und struppig, Powerpaket oder Schoß-Variante: Die Hunde im Ruhrgebiet sind so vielseitig wie ihre Besitzer. Mit diesem Stadtführer für Hunde können sie auf vier Pfoten ihr Revier erschnüffeln und entdecken.

Vom Welpenkauf über Gesundheit, Erziehung, Hundesteuer und Lifestyle – „Fred & Otto. Unterwegs im Ruhrgebiet“ bietet alles, was Hund und Herrchen/ Frauchen brauchen Für den Stadtführer (222 Seiten) waren die Autoren Dr. Markus Bötefür (49) und Dr. Christine Petersen (55) mit ihren Hunden Kosi (15)  und Fidele (4) rund ein Jahr im Pott unterwegs. Ihr Fazit: „Durch den Hund lernt man die Ruhrregion neu kennen!“

 Liebevoll bebildert, enthält der Hundeführer viele nützliche Infos, stellt besondere Menschen und ihre Vierbeiner, Vereine und Hunde-Experten vor. Zusätzlich gibt‘s einen übersichtlichen Revier-Plan zum Herausnehmen mit den schönsten Auslaufflächen und Spazierwegen für Bello und Co.

 Auch in dem Buch: Tipps zum Umgang mit Hunden, die es zum Teil schon länger gibt, die aber nur wenige kennen. Die Aktion „Gelbe Schleife“ findet Christine Petersen besonders sinnvoll: „Eine gelbe Schleife an der Leine signalisiert, dass der Hund nicht mit anderen Artgenossen zusammen sein will.“

Den Stadtführer für Hunde im Ruhrgebiet (Vergangenheitsverlag Berlin, 14,90 Euro) mit vielen Adressen und Rabattcoupons gibt‘s im Buchhandel.

 

ruhr-guide, Mai 2014

 (Zu: "Fred & Otto unterwegs in Münster und dem Münsterland")

 Fred & Otto - Unterwegs im Ruhrgebiet

Ganz klar, der Raum, der für die treuen Vierbeiner im Ruhrgebiet zur Verfügung steht, ist begrenzt. Und die Überlegungen, wo man noch am Wochenende „schön Gassi gehen“ kann, um Bello auch mal frei laufen lassen zu können, enden doch wieder auf der selben Hundewiese wie immer. Nun haben Markus Bötefür und Christine Petersen nach einer einjährigen Recherche einen Reiseführer für Hunde herausgebracht der Abhilfe schafft. Die beiden Autoren nennen in ihrem Buch „Fred & Otto“ nicht nur Locations, sondern geben Tipps von A, wie Adoption bis Z, wie Zoobedarf und erzählen auch interessante Geschichten, z.B. die von Boxer Felix, der zum Begleithund ausgebildet wurde.

Woran erkenne ich einen seriösen Züchter? Diese und andere Fragen werden dem Leser in diesem Reiseführer beantwortet, denn grade für unerfahrene Hundeliebhaber sind diese Informationen sehr wertvoll. Die Wahl des richtigen Züchters ist wichtig. Es werden aber auch andere Möglichkeiten genannt, wie man zu seinem Vierbeiner kommen kann, z.B. über das Tierheim oder über den Tierschutzverein, der Straßenhunde aus Ländern wie Rumänien rettet. Dies ist ein ernstes Thema und Markus Bötefür und Christine Petersen erzählen in ihrem Buch auch von der Oberhausenerin Karin Preß, die ihre beiden Galgos Jens und Stefan vor ihrem schrecklichen Schicksal in Spanien rettete.

Ratgeber für Frauchen und Herrchen

Seine Rechte zu kennen ist immer von Vorteil aber auch die Frage, was darf ich und mein Hund eigentlich, sollte man sich als Halter stellen. Dazu findet man im Buch „Fred & Otto“ verschiedenste Gerichtsurteile zum Thema Hund. Oder wussten Sie, dass ihr Vermieter es Ihnen nicht in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen untersagen darf, einen Hund in der Mietwohnung zu halten? Genauer nachlesen, ob es sich lohnt das Tier Krankenversichern zu lassen und was die Haftpflichtversicherung trägt, kann man in den Kapitel Versicherung und Schutz.

Der Hundestadtplan

Neben diesen informativen Themen findet man auch genauere Beschreibungen zu Plätzen, an denen sich Bello mal gepflegt austoben kann und Sie Ihre Zeit genieß können, oder wo das modebewusste Frauchen oder Herrchen schicke Accessoires für den Vierbeiner shoppen kann. Dazu liegt dem Stadtführer ein Hundestadtplan bei, auf denen alle interessanten Orte eingezeichnet sind. Über Rabattcoupons für den nächsten Einkauf kann man sich freuen, ebenso über die Tatsache, dass bei jedem verkauften Exemplar 25 Cent an Tierschutzprojekte fließen.

Fazit:

Der Stadtführer für Hunde ist sehr schön gestaltet, neben den Texten findet man zahlreiche Fotos von den Vierbeinern und Ihren Haltern. Die Themen sind umfangreich und wurden sehr übersichtlich zusammengefasst. „Fred & Otto – Unterwegs im Ruhrgebiet“ ist ein gutes Nachschlagewerk für jeden Hundehalter im „Pott“, dem es zukünftig nicht mehr an Adressen zum Gassi gehen fehlen wird.

 

WAZ, Juni 2013

"Extrawurst": Eine total skurrile Geschichte

Waldemar Plehn-Butzke hatte unter verschiedenen Namen versucht, seine literarischen Ergüsse unters Volk zu bringen, aber schon die Trilogie über das Amulett der Novizin war nicht der große Brüller. Als dann eines Tages ein etwas seltsam anmutender und gewandeter Mensch in seiner nicht gerade luxuriösen Behausung erscheint, ihn als Privatdetektiv bezeichnet und ihm eine recht seltsame Recherche anträgt, überlegt er nicht lange und lässt sich auf die Sache ein.

Und dann nimmt eine total skurrile Geschichte ihren Lauf. Es geht um Mord, um die Frage, was die Bratwurst in einem bestimmten Imbiss beinhaltet und um die vorlaute 13-jährige Corabeth, die mit Computern umgeht, wie andere Kinder mit Bauklötzen und durch ihre Fähigkeit, sich in alle möglichen Dateien einzuloggen, Herrn Plehn-Butzke immer wieder einen Schritt weiterhilft. Dieser verstrickt sich in die verrücktesten Situationen mit den abgedrehtesten Leuten, verheddert sich auch schon mal in seinen verschiedenen Pseudonymen und gerät selbst in größte Gefahr. Am Rande taucht auch die Kommissarin Fischer auf, die wir aus den vorherigen Krimis kennen, und als sie nach der vermeintlichen Klärung des Falls etwas unsicher guckt, legt Herr Plehn-Butzke sich ein neues Pseudonym zu und schreibt als Markus Bötefür die ganze Geschichte auf.

Uta Backmann

 

ruhr-guide, Dezember 2012

 Markus Bötefür meldet sich mit "Extrawurst" zurück und liefert ein Sahnestück für "eingefleischte" Fans des skurrilen Krimis! Nach drei Krimis mit Thi Fischer kommt nun der außergewöhnliche Privatdetektiv Waldemar Plehn-Butzke zum Zuge, der in einem noch skurrileren Fall als seine Vorgängerin ermittelt. Der Leser begegnet in dem Ruhrpott-Krimi ungewöhnlichen Figuren und bekommt Einblicke in sehr seltsame Vorgänge in der Region. Ein echter Lesetipp für alle, die auf spannende Literatur jenseits des Mainstreams stehen!

Als „Geschichte um einen Tourette-Syndrom-behafteten Privatdetektiv wider Willen“ beschreibt Markus Bötefür seinen Kriminalroman „Extrawurst“ und bringt damit prägnant auf den Punkt, was der Leser erwarten darf: Eine ungewöhnliche Geschichte, behaftet mit allerlei Skurrilitäten. Wie kann man zu einem Privatdetektiv wider Willen werden? Ganz einfach und absurd zugleich: Ein sadomasochistischer Transvestit, der sich als Zofe Olaf vorstellt, steht vor der Tür und hält Plehn-Butzke für den Privatdetektiv Herrn Wickelbrett. Dieser lässt den Transvestiten in dem Glauben und wird anschließend von ihm mit dem absolut bizarren Fall betraut, ihn vor der sogenannten Wurstmafia zu schützen. Ein gefährliches Spiel in sonderbaren Szenerien nimmt seinen Anfang ...

Ein außergewöhnlicher Detektiv ermittelt in „Extrawurst“

Was Zofe Olaf nicht weiß, ist, dass es sich beim vermeintlichen Herrn Wickelbrett gar nicht um einen Privatdetektiv, sondern vielmehr um einen freischaffenden Autor und Ghostwriter handelt, der von zuhause aus seinen Lebensunterhalt bestreitet. Plehn-Butzke hat darüber hinaus auch noch einige spezielle Merkmale mit im Gepäck: Er leidet unter dem Tourette-Syndrom und ihm wurden bei einer Auseinandersetzung in Kambodscha beide Ohren abgeschnitten! Wenn der Leser diese Details geschluckt hat, führt ihn Markus Bötefür immer tiefer hinein in einen Sumpf der Seltsamkeiten. In dem an Plehn-Butzke herangetragenen Fall rund um die Machenschaften der Wurstmafia geht es tatsächlich um Menschenfleisch, das in Currywurst und anderen Wurstwaren verarbeitet wird. Plehn-Butzke spielt den Detektiv, um sich für seine schriftstellerischen Tätigkeiten Inspiration zu verschaffen und gerät dabei selbst immer mehr in Gefahr. In seine Wohnung wird eingebrochen und die Wurstmafia beginnt zunehmends, ihre blutigen Daumenschrauben anzuziehen – bereits am nächsten Tag wird Maître Heribert, der Lebensgefährte von Zofe Olaf, ermordet.

Auf dem Weg zum spektakulären Ende des Romans kreuzen sich Plehn-Butzkes Wege noch mit allerlei Gestalten, die getrost als „skurril“ charakterisiert werden dürfen. Er begegnet etwa Tiefschlafjoschi, einem mächtigen Gangsterboss im Wachkoma, oder dem Privatermittler Ottomeyer, der sich nur mit einer Schweinemaske aus dem Erotikbedarf getarnt anderen Menschen zeigt. Für alle Fans von Bötefürs Reihe um die Detektivin Thi Fischer gibt es auch in „Extrawurst“ ein kurzes Wiedersehen mit der Oberhausener Kriminalbeamtin.

 

Damals: Das Magazin für Geschichte, Nr. 4/2012

Elefantengedächtnis

Ele­fan­ten fas­zi­nie­ren seit Jahr­tau­sen­den. Ih­re ge­wal­ti­gen Rüs­sel­kör­per ha­ben selbst Men­schen er­regt, die die­se größ­ten al­ler Land­tie­re nur durch Er­zäh­lun­gen oder Ab­bil­dun­gen ken­nen­lern­ten. Von den früh­ge­schicht­li­chen Mam­muts bis zu ih­ren afri­ka­ni­schen und süd­ost­asia­ti­schen Nach­fah­ren nutz­te man die grau­en Rie­sen als Nah­rungs­quel­le, Ar­beits­kraft und El­fen­be­in­de­pot.

Man­cher­orts ran­gier­ten Ele­fan­ten als Sym­bo­le po­li­ti­scher Macht, man ver­ehr­te sie als Göt­ter, rühm­te ih­re Weis­heit und Stär­ke. Doch mensch­li­che Über­macht miss­brauch­te die Dick­häu­ter auch als Kriegs­ma­schi­nen, ent­wür­dig­te sie zu cir­cen­si­schen Schau­ob­jek­ten, ver­mensch­lich­te und ver­nied­lich­te sie in Fil­men, Co­mics und Kin­der­bü­chern.

Mar­kus Bö­te­für, stu­dier­ter His­to­ri­ker und Ken­ner Thai­lands, wo der Au­tor ei­ni­ge Jah­re als Hoch­schul­leh­rer ar­bei­te­te, prä­sen­tiert ein Buch, das von der Stein­zeit bis zu den ak­tu­el­len Ar­ten­schutz­de­bat­ten reicht. Bö­te­für ent­fal­tet mit ei­ner Fül­le sel­te­ner Quel­len und Ab­bil­dun­gen ein fa­cet­ten­rei­ches Bild der am­bi­va­len­ten Rol­len und Ver­wand­lun­gen, de­nen Ele­fan­ten in ih­rer lan­gen Ge­schich­te aus­ge­setzt wa­ren und sind. Die Zeit­rei­se führt von der Ur- und Früh­ge­schich­te über Anti­ke und Mit­tel­al­ter bis hin zu den Pro­ble­men, die aus der Hal­tung der Dick­häu­ter in Me­na­ge­ri­en, Tier­gär­ten und Zir­kus­sen re­sul­tie­ren.

Man er­fährt ei­ni­ges über die au­ßer­or­dent­li­che kul­tu­rel­le und re­li­giö­se Be­deu­tung die­ser We­sen im Hin­du­is­mus, den himm­li­schen Ur­sprung der in­di­schen „Wol­ken­tie­re“, den el­fan­ten­köp­fi­gen Gott Ga­ne­s­ha, zu­dem über ih­re Ver­eh­rung im Bud­dhis­mus, et­wa die sa­gen­haf­ten wei­ßen Ele­fan­ten der sia­me­si­schen und bir­me­si­schen Kö­ni­ge. Sie sind, wie das „Kop­chalak“ (Buch von den We­sens­zü­gen des Ele­fan­ten) aus­weist, in Wahr­heit lo­tus­far­ben und müs­sen sie­ben At­tri­bu­te be­sit­zen, um als „weiß“ gel­ten zu kön­nen.

Ein spe­zi­el­les Ka­pi­tel ist der Li­te­ra­tur­ge­schich­te des Ele­fan­ten ge­wid­met. Sie reicht von Rüs­sel­ge­schich­ten in frü­hen Rei­se­be­rich­ten über Ju­les Ver­nes stäh­ler­nen Damp­fe­le­fan­ten bis zu Ki­plings Ka­la-​Nag-​Sto­ry und den Kin­derele­fan­ten des 20. Jahr­hun­derts: Brun­hoffs „His­toire de Ba­bar“, Ben­ja­min Blüm­chen und der flie­gen­de Dum­bo. Die neu­es­ten Ele­fan­ten-​Er­zäh­lun­gen von Jor­ge Bu­ca­ydes oder Kat­ja Bran­dis und der his­to­ri­sche Ro­man von José Sa­ra­ma­go, der die Rei­se des Ele­fan­ten Sa­lo­mon im Jahr 1561 von Lis­sa­bon nach Wien be­schreibt, sind Zeug­nis­se der an­dau­ern­den Fas­zi­na­ti­on für die Dick­häu­ter, die wie Ar­che­ty­pen im kol­lek­ti­ven Un­be­wuss­ten der Mensch­heit ver­an­kert zu sein schei­nen. „Ele­fan­ten­ge­dächt­nis“, der wun­der­bar viel­deu­ti­ge Ti­tel des klei­nen, aber in­for­ma­ti­ven Bu­ches kann, wie das Schluss­ka­pi­tel über El­fen­bein und Ar­ten­schutz dar­legt, auch fast schon als Nach­ruf ge­le­sen wer­den.

Prof. Dr. Paul Münch

 

Damals: Das Magazin für Geschichte, Nr. 6/2010

(Zu "Auf Elefantenrücken durch Siam")

Im Land der weißen Elefanten

Vom alten Siam, dessen Geschichte sich im modernen Thailand fortsetzt, weiß man in Deutschland nur wenig. Seine besondere Bedeutung besteht darin, dass es als einziges südostasiatisches Land seine politische Selbständigkeit gegenüber den konkurrierenden europäischen Kolonialmächten bewahren konnte.
Die kleine Auswahl europäischer Reiseberichte (alle in deutscher Übersetzung), die Markus Bötefür publiziert hat, bietet faszinierende Einblicke in eine festgefügte, freilich langsam untergehende Welt, deren letzte Reste durch die modernen Touristenströme vollends zu verschwinden drohen. Zusammengestellt und kundig eingeleitet hat die durchweg faszinierende und empfehlenswerte Quellensammlung mit Bötefür ein guter Kenner des Landes, der mehrere Jahre an einer thailändischen Universität tätig war.
Die portugiesischen, niederländischen, französischen, englischen und deutschen Berichterstatter, die sich vom 16. bis ins 20. Jahrhundert mit ganz unterschiedlichen Interessen nach Siam/Thailand aufmachten, beschreiben ein verwunschenes Land, das den Europäern oftmals fremd blieb. Beherrscht von Königen, religiös tief geprägt vom Buddhismus und mit einer Bevölkerung, die sich in ihren kulturellen Orientierungen und in ihren Lebensformen grundsätzlich von den Europäern unterschied, bildete das Land für die Besucher aus dem fernen Westen ein Reiseziel, dessen Fremdheit und Exotik zu vielfältigen Kommentaren herausforderten. Im Fokus des Interesses standen die gottgleiche Stellung der autokratisch regierenden und angeblich mit magischen Fähigkeiten begabten Könige, der gegen die islami-schen und christlichen Missionierungsversuche resistente Buddhismus, nicht weniger die Frisur- und Bekleidungsmoden der freundlichen Bewohner, immer wieder aber auch die auffällige Verehrung von „weißen“ Elefanten, in denen man Reinkarnationen verstorbener Könige und Prinzen erblickte.
Die alte Hauptstadt Ayutthaya erregte als kosmopolitisches Zentrum Südostasiens und „Venedig des Ostens“ ebenso die Aufmerksamkeit der westlichen Besucher wie das Leben in der neuen Hauptstadt Thonburi (Bangkok). Besonderes Staunen riefen die Wett- und Spielfreude und die buddhistisch motivierte Tierfreundlichkeit der Siamesen hervor. Der in Diensten des Königshauses stehende deutsche Architekt Karl Döhring (1879 –1941) registrierte als ernsthaftes Modernisierungshindernis ausdrücklich die religiös begründete Ablehnung des westlichen Fortschrittsideals und Konkurrenzprinzips durch die Bevölkerung, die „einigen Hang zum Müßiggang“ zeige.
Die Schwärmerei des preußischen Diplomaten Friedrich Graf zu Eulenburg (1815–1881) für die am Königshof spielenden „allerreizendsten Jungen“ mit ihren „prächtigen Oberkörperchen“ und die Bemerkung John Hagenbecks (1866–1940), die Siamesinnen seien „durchaus nicht übermäßig prüde“, mögen dem Leser wie ein frühes Wetterleuchten moderner Entsetzlichkeiten vorkommen.

Prof. Dr. Paul Münch

 

NRZ, Juni 2009

Leichen mit Lokalkolorit

(Zu "Fronleichnam)

Oberhausen. Markus Bötefür legt zur Sterkrader Kirmeszeit seinen dritten Oberhausen-Krimi vor. Und der heißt „Fronleichnam” Riesenrad trotz Höhenangst? Geisterbahn trotz schwacher Blase? Oder vielleicht eine Portion gebrannter Mandeln trotz frischer Plomben in der Kauleiste? So eine Kirmes hat ja bekanntlich etliche Herausforderungen zu bieten. Eine Herausforderung der ganz besonderen Art ist das Sterkrader Fronleichnam-Spektakel für Markus Bötefür: „Der Name ist doch eigentlich prädestiniert für einen Krimi”, dachte sich der Alstadener Autor und setzte sich an den Schreibtisch. Gesagt, getan: „Fronleichnam” ist bereits der dritte Lokal-Krimi von Markus Bötefür.

Abstrus bis ulkig  

Wie der Name schon verrät, spielt die Handlung zur Zeit der Kirmes und ist – wie bei den beiden Vorgängern „Leichenschau” und „Damenjagd” – geprägt von abstrus anmutenden Tatorten, ulkig schrägen Hauptverdächtigen und einer gehörigen Portion Lokalkolorit. Es ermittelt Thi Fischer, die 1,49 Meter große, deutsch-vietnamesische Kommissarin mit der Vorliebe für Hopfen und Malz, im Mordfall Robert Pielecke. Der Verleger wird tot in seinem Nobel-Loft am Hauptbahnhof gefunden, festgeklebt auf dem Fahrersitz eines seiner Luxusschlitten.

Hat sein Kollege etwas mit dem Mord zu tun, der schwule Osterfelder Proktologe und Hobby-Historiker mit Hang zu braunem Gedankengut? Und warum wird der türkische Neffe der Haushälterin des Mordopfers beim Auto-Scooter niedergestochen? Das Rätselraten kann losgehen.

Als dann auch noch die Gondel eines Kirmes-Karussells verunglückt, drei Obdachlose dabei den Tod finden, deren Leichen dann verschwinden und wenig später geschändet im Hiesfelder Wald auftauchen, ist die Verwirrung groß. Neonazis und Nekrophilie? Die Kommissarin mit der fiesen Sommergrippe und dem frisch gebrochenen Herzen steht vor einem Rätsel. Hilfe bekommt Thi Fischer in ihrem dritten Fall ausnahmsweise von Dauer-Nervensäge Dieter Brohm, der dafür bekannt ist, jedes Verbrechen in Oberhausen – am liebsten sind ihm die Morde – auf seine Kappe zu nehmen. Dieses Mal jedoch versucht er sich als Hobby-Sherlock-Holmes, nimmt verdeckte Ermittlungen auf und wird prompt zusammengeschlagen.

Warum müssen es eigentlich immer solch verrückte Vögel sein, die Markus Bötefür in seinen Geschichten mit Leben füllt? „Ganz einfach”, verrät der Germanist und Historiker: „Im wahren Leben laufen die mir auch ständig über den Weg. Da ist es nur logisch, dass ich solche Oberhausener Originale in meine Krimis einbaue.”

Und wer hat den Verleger historischer Weltkriegsliteratur nun auf dem Gewissen? Wer's wissen will: „Fronleichnam” heißt der dritte Oberhausen-Krimi von Markus Bötefür, erschienen im KBV-Verlag, erhältlich im Buchhandel für 9,50 Euro. Nachlesen lohnt sich

 

WAZ, Mai 2009

Schmökerstunde 

Der dritte Oberhausen-Krimi von Markus Bötefür ist gerade erschienen: „Fronleichnam“. Nicht, dass sich die Sterkrader Kirmes danach gerichtet hätte – eher umgekehrt. Der Roman, wie auch seine Vorgänger, zielt weniger auf akribische Ermittlungsarbeit und passegenaues Recherchepuzzeln. Er wirkt durch sein akzentuiertes, alltagsbizarres Personal. Im ersten Krimi „Leichenschau“, ging es um die Herkunft und Zuordnung herrenloser Unterarme. Im zweiten „Damenjagd“ wurden die Reihen der Oberhausener Jägerschaft und Sportpädagogen gelichtet. Im aktuellen ist vom dubiosen Karussellunfall über Mord im Neonazi-Milieu bis zur Nekrophilie einiges Schröckliche enthalten, das die Ermittler unter Leitung von Kommissarin Thi Fischer und unter Mitarbeit diverser Biere und Klarer zu klären haben. Unorthodox und angenehm politisch unkorrekt. Melancholisch-Feuchtes sucht man vergebens, dafür findet man Furztrockenes. Und so paradox es klingen mag: Es kommt eine ruhrgebietliche Familiarität auf, wenn etwas weite Welt durch Oberhausen weht. (A.W.)

 

WAZ, Mai 2009

Fronleichnam

Von Florian Timm

Es gibt nicht wirklich viele Anlässe zu Feiern, aber wenn der Oberhausener Krimiautor Markus Bötefür erneut seine Hauptfigur Thi Fischer im Oberhausener Untergrund ermitteln lässt, dann ergibt sich dieser von selbst. Um den Beruf des Krimiautors einmal etwas genauer unter die  Lupe zu nehmen, bietet der Treffpunkt beim Sterkrader Buchhändler Arndt Wiebus eine gute Gelegenheit. Dieser ist nämlich absoluter Experte, was die Literatur rund um das Ruhrgebiet betrifft und Bötefür gehört mit seinem bereits dritten Kriminalroman „Fronleichnam“ mittlerweile zum festen Bestandteil der Riege der aktuellen Ruhrgebietsliteraten.

In „Fronleichnam“ steht die gleichnamige Sterkrader Kirmes unter keinem guten Stern. Erst wird ein junger Türke von einer Bande Neonazis niedergestochen und dann fällt auch noch die Gondel eines Fahrgeschäfts aus der Verankerung und reißt drei Obdachlose in den Tod.

Alles nur Zufall oder steckt mehr dahinter? Es ist zum Fürchten, wenn man bedenkt, dass dies in visionärer Zukunft, also noch in diesem Jahr, passieren soll. Auf die Frage, ob er nicht befürchte, die Schausteller könnten auf die Barrikaden gehen, entgegnet Bötefür trocken: „Ich habe Spaß am Schreiben und dies mache ich ohne Rücksicht auf Verluste. Zudem ist hoffentlich jedem klar, dass es sich immer noch um eine Geschichte handelt“.

Und genau so angstfrei und unbeschwert liest sich auch „Fronleichnam“. Und dabei kommt Heimatgefühl auf. Arndt Wiebus bringt es auf den Punkt: „Es geht in dem Buch nicht um akribische Ermittlungsarbeit, sondern im Mittelpunkt steht das bizarre Publikum, das in besonderer Weise akzentuiert wird“. Dabei spielt er auf die echt wirkende Kulisse, auf die Ruhrgebietsmenschen selbst an, die die Wege der Kommissarin Thi Fischer, ob in ihrer Stammkneipe oder auf der Kirmes selbst, immer wieder kreuzen. Es scheint, als sei man den Menschen im Buch in Oberhausen oder im Ruhrgebiet selbst schon einmal begegnet. „Die Menschen in meinen Büchern sind zum größten Teil der Wirklichkeit entsprungen. Dabei war ich noch sparsam, denn die wirklich schrägen Sachen, die so passieren, glaubt einem doch nachher keiner“, so Bötefür.

„Markus ist kein Autor, der vom Krimi lesen zum Krimi schreiben kam“ fügt Wiebus an, und schließt damit bei Bötefürs Werken, den Effekt des schon mal „da Gewesenen“ aus.

Das scheinen auch die Leser zu honorieren, denn die Nachfrage nach vom Autor signierten Werken ist hoch und steigt zusehends an.Wer also einen spannenden und humorvollen Blick in die Kristallkugel wagen möchte, sollte sich beeilen, denn schon bald ist „Fronleichnam“ Gegenwart. 

 

ruhr-guide, Mai 2009

Markus Bötefür – Fronleichnam

Oberhausen ist mal wieder Schauplatz eines Verbrechens, besser gesagt direkt dreier Verbrechen, welche alle von Kommissarin Thi Fischer gelöst werden wollen. In Markus Bötefürs drittem Kriminalroman dreht sich diesmal alles um das Wochenende der Fronleichnamskirmes. 


[ruhr-guide] Die sich überschlagenden Ereignisse, der Mord an Robert Pielecke, einem Verleger sogenannter "historischer Weltkriegsliteratur", die Messerstecherei bei der ein junger Mann schwer verletzt wird und ein Unfall der drei Obdachlose zu Tode kommen lässt - alle finden sie ausgerechnet am Wochenende der größten Oberhausener Kirmes statt, der Sterkrader Fronleichnamskirmes. Die Gemeinsamkeit all dieser Geschehnisse ist anfangs nur, dass sie in den Zuständigkeitsbereich der Protagonistin fallen: Thi Fischer eine ihren männlichen Kollegen in Ruhrpott-typischer Prolligkeit und Alkoholkonsum nichts nachstehenden, 1,49 m kleinen, gerade sitzengelassenen Ermittlerin der Oberhausener Kriminalpolizei. Doch scheinen die Zwischenfälle plötzlich in viel engerem Verhältnis zu stehen wie zunächst angenommen. Als dann auch noch die Sekretärin des Verlegers vermisst wird, der niedergestochene Mann sich als der Neffe Pieleckes Haushälterin entpuppt und die drei Leichen der Unfallopfer entführt werden, gibt es keinen Zweifel mehr: das wird ein ganz großer Fall!

Bötefürs dritter Roman

Fronleichnam ist der dritte Roman aus Markus Bötefürs Feder, der sich um die Fälle der Kommissarin Thi Fischer dreht. Schon mit Damenjagd und "Leichenschau" hat der Oberhausener Germanist und Historiker die Intimität mit seiner Geburtsstadt in einem spannenden Krimi verwoben. Das in Fronleichnam vorrangige Thema ist die Auseinandersetzung mit rechten Strukturen, Homosexualität innerhalb der selbigen und damit eng verbunden die Homophobie, die Bötefür seinen Darstellern immer wieder glaubhaft unterjubelt.

Wie schon in den beiden ersten Romanen findet man in Fronleichnam jede Menge lokale Atmosphäre und trifft auch alte Bekannte wieder. Wie zum Beispiel den beratenden Beistand Thi Fischers, den Psychotherapeuten Dr. Molitor oder den Möchtegernkriminellen Dieter Brohm, dem zwar wieder einmal kein Schuldgeständnis abgenommen wird, der aber diesmal nicht wenig an einer Lösung des Falles beteiligt ist. Auch die tägliche Einkehr im "Haus Ostermann" ist wichtiger Bestandteil des Alltags der Kommissarin und ihrer Kollegen, trifft man hier doch den ein oder anderen nützlichen Charakter unter den Stammgästen.

Fazit Wieder einmal hat es Markus Bötefür geschafft, einen fesselnden Roman zu Papier zu bringen. Einmal angefangen, drängt es direkt danach herauszufinden wer denn der Täter ist. Mit trockenem Humor und interessanten Charakteren ist das Buch eine echte Empfehlung.

 

Ruhrwort, Februar 2009

(Zu "Damenjagd")

Thi Fischer heißt die deutsch-vietnamesische Kommissarin, die nicht nur Mördern und Psychopathen, sondern auch der Seele des Ruhrgebiets auf der Spur ist. Sie ist als Waisenkind im Friedensdorf Oberhausen aufgewachsen und ist die junge Ich- Erzählerin einer neuen und schrägen Krimireihe. In ihrem zweiten Fall „Damenjagd“ hat sie es mit einem Serienkiller zu tun, der es auf die Oberhausener Stadtjäger abgesehen hat. Dazu kommt noch der rätselhafte Mord an einem Sportlehrer, sowie ein dreißig Jahre zurückliegender Entführungsfall, der scheinbar mit den aktuellen Geschehnissen in Verbindung steht.
Detailgenau und mit einer Portion Sarkasmus beschreibt Markus Bötefür in seinen Krimis neben den Mordfällen besonders das alltägliche Leben der Oberhausener. Wer im Ruhrgebiet zu Hause ist, wird seine Kriminalromane eher als Heimatliteratur oder Realsatire kennen lernen. Alle, die nicht im Ruhrpott aufgewachsen sind, lernen es vielleicht beim Lesen seiner Bücher von einer etwas anderen Seite kennen. Zu Gast bei der Kolpingsfamilie in Oberhausen Alstaden betonte Bötefür, dass er nicht wolle, dass das Ruhrgebiet auf den Bergbau und seinen Dialekt reduziert werde. (Lena Harmes)

 

Jäger,  Januar 2009

Bereits zum zweiten Mal lässt der Oberhausener Autor Markus Bötefür seine deutsch-vietnamesische Kriminalkommissarin Thi Fischer ermitteln. Diesmal geht sie auf „Damenjagd“, denn sie muss gleich eine ganze Mordserie an Jägern im Ruhrgebiet aufklären – und dabei in eine für sie völlig neue Welt eintauchen. Einschließlich der Probleme mit renitenten Hobby-Ornithologen, Naturschützern und militanten Kanzelsägern, die ihre Ermittlungen erschweren. Bötefürs Kommissarin beschreibt als Ich-Erzählerin die Opfer, deren Umfeld und Tatdetails teils ins Skurrile überspitzt, so dass sich der Leser im Fortgang ihrer Ermittlungen zunehmend fragt, ob er sich noch einfach nur in einem spannenden Krimi oder schon in einer subtilen Parodie dieses Genres befindet. Für Krimifreunde unbedingt lesenswert. (Frank Martini)

 

Deutsche Jagdzeitung,  Oktober 2008

Kein Jagdbuch, ein Jägerkrimi

Markus Bötefür, Jahrgang 1965, gilt unterdessen als Geheimtipp unter den Krimifreunden. Er schreibt Kriminalromane mit „Ruhrpott-Kolorit“. Seine erschaffene Ermittlerin, die 35-jährige Thi Fischer, ursprünglich aus Vietnam stammend, arbeitet in diesem Buch an einem Aufsehen erregenden Fall. Für sie wird die Zeit knapp, denn Serientäter drohen sämtliche Turnriegen und Hegeringe im Ruhrpott auszulöschen. Die junge Ermittlerin taucht dabei immer tiefer in die bizarre Welt der Sportvereine, Jäger und Jägerinnen sowie Hegeringe ein. Als wären die Serienmorde nicht schon genug, bereitet ihr auch noch ein 30 Jahre zurückliegender Entführungsfall Kopfzerbrechen.
Bötefür hat einen Hang zum Bizarren. Er schreibt gut, ironisch, gelegentlich selbstironisch. Und Jäger, die nicht immer nur Jagdklassiker lesen wollen, werden über seine durchaus kritischen Betrachtungen im Kreise der Jägerschickeria schmunzeln. Mir hat der Krimi jedenfalls gefallen. (Andreas Rockstroh)

 

NRZ, August 2008

Bötefürs blutiges Waidwerk

 LESUNG: In der Reihe „Mord am Montag“ im K 14 ging ein Alstadener Autor auf „Damenjagd“.

  Allzu oft dürfen Mitglieder der Oberhausener Jägerschaft ihrem Waidwerk nicht in geschlossenen Räumen nachgehen. Und auch Oberhausener Lehrer sind wohl lieber „auf’m Platz“ als in der Turnhalle. Dass sich Jäger und Lehrer aber am Montagabend neben einer stattlichen Zahl weiterer Gäste in der Fabrik K 14 einfanden, liegt an der Phantasie des Alstadener Autors Markus Bötefür. Derselben fallen nämlich in seinem zweiten Kriminalroman „Damenjagd“ diverse Angehörige beider eingangs erwähnten Bevölkerungsgruppen zum Opfer.

Humorvoll geht Bötefür sein blutiges Werk an, aus beinahe jeder Zeile der aus Sicht der deutsch-vietnamesischen Oberhausener Ermittlerin Thi Fischer erzählten Geschichte spritzt Ironie hervor. Gut, Blut auch manchmal, aber das kann doch einen Jäger nicht erschüttern. Drei Waidmänner stießen während der Lesung gar munter ins Horn, meldeten musikalisch beispielsweise kurz nachdem der Autor die zweite Leiche erreicht hatte ein „Sau tot.“

Bei der „Damenjagd“ vermengt Bötefür geschickt Realität und Fiktion. So findet sich die dritte Leiche beispielsweise im Tierpark im Kaisergarten. Nur wenige Schritte weiter die Konrad-Adenauer-Allee hinunter hat der Autor deren Wohnstatt platziert: einen alten Wohnwagen. So scheucht er seine Kriminalisten, seine Leser und in diesem Fall auch seine Zuhörer quer durch Oberhausen und Umgebung – und durch die Welten der beiden so gefährdeten Gesellschaftsgruppen.

Bei der Lesereihe „Mord am Montag“ im K 14, die dadurch bekannt ist, dass die Auswahl der Autoren sich auf jene konzentriert, die sich durch eine augenzwinkernde Sicht auf Kriminalfälle auszeichnen, kam das natürlich gut an. Übrigens nicht nur beim Publikum. Bötefür: „Ich freu’ mich über meinen eigenen Text so sehr, dass ich gar nicht stoppen möchte.“ Ist okay: Gut Schuss. (Michael Nicolas, Redaktion Oberhausen)

 

WAZ, Juli 2008

Damenjagd

Von Vietnam bis nach Oberhausen. Schriftsteller Markus Bötefür hat seinen zweiten Krimi veröffentlicht- Aber auch als Angel-Autor macht sich der weit gereiste Oberhausener einen Namen.

Von Florian Timm

Weit ab vom üblichen Ruhrgebietsklischee des Malochers gibt es auch noch die Menschen, die sich als ganz normale Ruhrgebietsbewohner bezeichnen dürfen und wohl auch die sind, die man in den ehemaligen Kohle- und Bergbaustädten am häufigsten antrifft. Zu dieser Art von Pottlern gehört auch der Oberhausener Kriminalschriftsteller Markus Bötefür, der kürzlich seinen zweiten Krimi „Damenjagd“ auf dem Buchmarkt präsentiert hat.
Dass seine Vita auch nicht das ist, was man als völlig normal bezeichnet, erschließt sich erst vollends bei näherer Betrachtung. Auf die Frage, welcher der bekannten Schriftsteller zu seinen Liebsten gehört, bekommt man von dem promovierten Geschichtswissenschaftler die etwas unerwartete Antwort: „Ich habe keine Vorbilder in der Literatur. Der erste Roman den ich gelesen habe, ist „Leichenschau“ gewesen und den habe ich selbst geschrieben“.
Allein in dieser Aussage steckt seine Spitzbübigkeit, die sich der 43- Jährige bis heute erhalten hat.
Wie er selbst ist auch ist die Hauptfigur in seinen Romanen ein oberhausener Gewächs, das jedoch mit vietnamesischen Wurzeln aufwartet. Er schreibt aus der Ich-Erzählerinnen Perspektive der 1,49 Meter großen Kommissarin Thi Fischer, die in seinem neuen Werk auf den Spuren eines ominösen Sportlehrer-Killers ist, dem beim Morden offenbar homophobe Motive zu Grunde liegen. Hierbei entführt uns Bötefür in die etwas komplexere Welt des Ruhrgebiets und speziell in die Oberhausens.

„Ich habe den Anspruch, es so zu zeigen, wie es ist“

Der Ansporn für sein Schreiben liegt dem immerwährenden Klischee des typischen Ruhrgebietsmenschen zu Grunde. „Mich nerven einfach diese ständigen überspitzten Darstellungen des geistig minderbemittelten Pottlers. Ich habe den Anspruch es so zu zeigen wie es ist“. Und diese Kenntnis kann man dem Fan von „Opa-Kneipen“ in keiner Weise absprechen. Er trinkt „gern“ sein Bier in den Lokalitäten, die man auch Eckkneipen nennt, um sich dort mit den Leuten zu unterhalten, die ihm die Inspiration für seine Geschichten liefern.
Dass man es hier mit einem wirklich weltoffenen Menschen zu tun hat, der zudem noch mit einer anständigen Portion Humor ausgestattet ist, gehört zu jenen positiven Charaktereigenschaften, die ihn zu einer freundlichen und durchaus beliebten Persönlichkeit in Alstaden machen. Seinen Wurzeln ist er immer treu geblieben, zudem seine Eltern und Großeltern über 99 Jahre lang die „in Alstaden bekannte Metzgerei Bötefür geführt haben“, auf die er bis zum heutigen Tag immer noch angesprochen wird.
In Kreisen gilt er als absoluter Fachmann, was den gesamten Bereich des Angelsports betrifft. Er hat mehrere Ratgeber und Fachbücher über seine Leidenschaft geschrieben und dabei Länder wie Kuba, Laos, Vietnam und Kanada bereist.
Wie man sieht, ein ganz normaler Lebenslauf eben, und wer sich von der Kunst seines Schreibens selbst überzeugen will, besorgt sich entweder einen der beiden Romane oder besucht mal vorab die Internetseite www.markus-boetefuer.de und liest sich einen der wirklich guten Reiseberichte durch. Bequemer kommt man nicht nach Kambodscha...

Thi Fischer contra Horst Schminanski

Markus Bötefür hat sich den Charakter der kleinen Oberhausener Kommissarin Thi Fischer natürlich nicht einfach ausgedacht, sondern hat bei seinen unzähligen Aufenthalten in Ostasien das entsprechende Material gesammelt, um Thi Fischer Leben einzuhauchen. So ermittelt Fischer in „Leichenschau“ auch im thailändischen Pattaya. In Thailand war er drei Semester als Privatdozent tätig. Seine Kommissarin „weiterentwickeln zu können“ ist sein größter Wunsch. Ein Drehbuch ist auch schon in Arbeit und könnte Abwechslung zu Horst Schimanski sein.

  

NRZ, Juni 2008

"LITERATUR. Markus Bötefür legt seinen zweiten, schön lokalkolorierten Oberhausen-Krimi vor: Heute liest er aus "Damenjagd".

Ein Serienmörder geht um in Oberhausen, schächtet einen schwulen Sportlehrer, erstickt einen Leichtathleten im Sand seiner Sprunggrube und sorgt bei den Jägern der Stadt für eine erhebliche Dezimierung der Anhängerschaft. Die Waidmänner dieser Stadt müssen sich aber nicht fürchten: Der Killer treibt nicht wirklich in Oberhausen sein Unwesen, sondern im neuen Roman von Markus Bötefür. "Damenjagd" heißt der zweite Krimi des Alstadeners, in dem Kommissarin Thi Fischer auf Mördersuche geht. Hatte die deutsch-vietnamesische Kriminalkommissarin in ihrem ersten Fall "Leichenschau" noch mit abgehackten Gliedmaßen zu tun, sind die Toten der "Damenjagd" einigermaßen vollständig. Mal abgesehen vom Jäger ohne Gesicht, dem Falkner ohne Augen und Nase und der Leiche im Hiesfelder Wald, an dem sich bereits hungrige Wildschweine zu schaffen gemacht haben.
Und wer war's? Dieter Brom natürlich, der schrullige Typ, der auch schon im ersten Roman für jede Bluttat in Oberhausen verantwortlich sein wollte. Diesmal sitzt er im enganliegenden Rodler-Dress im vorweihnachtlich geschmückten Büro der 1,49 Meter großen buddhistischen Kommissarin. Eingebuchtet wird er trotzdem nicht, auch wenn er es sich noch so sehr wünscht.

Eckkneipen als Fundgruben

Ganz schön kurios. Wie kommt man als promovierter Historiker auf solche Ideen? "Kuriose Menschen und kuriose Geschichten haben mich schon immer interessiert", sagt der Autor. Seit seinem 16. Lebensjahr gehe er für sein Leben gern in "Opa-Kneipen", erzählt der 42-Jährige, und meint damit die fürs Ruhrgebiet typischen Eckkneipen, "in denen man kuriose Menschen trifft, die wunderbare Geschichten zu erzählen haben". Seine Krimi-Geschichten habe er so aus einem "reichen Erfahrungsschatz" zusammenbasteln können, sagt der Oberhausener grinsend. Lokalkolorit hat der Roman also reichlich. Autobiographisches auch: Mit Mord und Totschlag hat der Autor zwar primär im wahren Leben nichts zu tun - selbst wenn er angelt landen viele der Fische nach dem Fang wieder im Wasser. Mit der Jägerszene, in der der Roman hauptsächlich spielt, fühlt er sich aber trotzdem verbunden. Mit seinem Freund, dem Jagdhund Barry, stromerte Bötefür als Knirps gern durch Alstaden und lernte so das Friedhofs-Waidwerk kennen: Der hiesige Gottesacker war das liebste Karnickel-Jagdrevier des Rüden."

 

ruhr-guide, Juni 2008

"Markus Bötefür: Damenjagd Es wird wieder blutig in Oberhausen - der zweite Krimi von Markus Bötefür steht in den Regalen: Jede Menge Leichen, viel Lokalkolorit und mittendrin die zierliche Vietnamesin Thi Fischer als ermittelnde Kommissarin.

 [ruhr-guide] Ob Sportler oder Waidmann – in Oberhausen lebt es sich gefährlich. Während die erste Gattung - genauer die der Sportlehrer - verschnürt an der Sprossenwand, fachmännisch geschächtet oder auch mal kopfüber in der Sprunggrube gefunden werden, haben die Oberhausener Jäger es eigentlich besser: Zwar dezimiert sich auch die Mitgliederzahl der Kreisjägerschaft deutlich, aber zumindest sterben sie etwas weniger kreativ.

Im Gegensatz zu Bötefürs Erstlingswerk "Leichenschau", in dem zwar viele abgetrennte Arme aber keine einzige Leiche die Hauptrolle spielten, kann sich die nur 1,49 große Asiatin und Kommissarin der Oberhausener Mordkommission, Thi Fischer, diesmal vor Leichen kaum retten. Aufgrund der unterschiedlichen Vorlieben der Mörder scheint sie es mit zwei Mordserien zu tun zu haben, die in keinem Zusammenhang miteinander stehen. Oder gibt es dort doch eine ungeklärte Verbindung? Was haben wertvolle Ikonen und der Barbar von der Zeil mit braven Sportpädagogen, die sich dem Balletttanz widmen und der ungewöhnlich hohen Mortalität der Waidmänner, die sich vor allem dem Alkoholkonsum verschrieben haben – betrunken macht das Töten von Tieren halt noch mehr Spaß-, zu tun?

Damenjagd im Ruhrgebiet

Fragen über Fragen, die Thi Fischer und ihre Kollegen mal wieder souverän lösen. Der Leser trifft auf viele bekannte, schrullige Charaktere wie Dieter Brom, der mehr Menschen als jeder ambitionierte Serienkiller auf dem Gewissen hat – zumindest glaubt er das. Und wieder wird ihm sein sehnlichster Wunsch verwehrt – endlich verhaftet zu werden. Auch die fröhliche Thekenrunde im Haus Ostermann ist wieder mit von der Partie. Nebenbei lernt der Leser auch noch einiges über die waidmännische Fachsprache und das Selbstverständnis des Oberhausener Hegerings. Das sieht die örtliche Naturschutzgruppe naturgemäß allerdings etwas differenzierter ...


Auch mit seinem zweiten Krimi "Damenjagd" kann Markus Bötefür wieder überzeugen. War der erste Band vergleichsweise unblutig, geht es diesmal richtig zur Sache. Das Blut fließt in Strömen und die spannende Story zieht den Leser in ihren Bann: Wie vermutet, blieb es also nicht nur bei der Leichenschau von Frau Fischer, jetzt werden auch Damen gejagt ...

Fazit: Neben einer spannenden und ungewöhnlichen Story bietet "Damenjagd" viel Lokalkolorit, seltsame Gestalten und verblüffenden Einblicke in die Parallelwelt des Waidmanns an sich ... Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen!"

 

NRZ, Juli 2007

„ALSTADENER. Doktor der Geschichtswissenschaft schreibt auch Kriminalromane, ist als aktiver Angler Fachautor und Reisender. Das nennt man Bandbreite: Ein Doktor der Geschichtswissenschaften schreibt Ruhrgebietskrimis, unterrichtete Deutsch in Thailand, verfasst wissenschaftliche Chroniken, so etwa über den beschaulichen Essener Stadtteil Werden, reist durch die Weltgeschichte und angelt. Dies für sein Leben gern. Dazu führt er andere Sportangler zu guten Plätzen und schreibt natürlich auch darüber in Fachmagazinen. Dr. Markus Bötefür ist also so was wie ein Tausendsassa. Und wie wird man einer? "Tja, habe nicht auf Lehramt studiert", sagt der 42-jährige Alstadener.

Ist der Ansatz einer Erklärung, aber nicht viel mehr. Vielleicht wäre ihm Lehrer zu einfach gewesen, vielleicht mag er sich nicht in übliche Rahmenbedingungen einfügen. "Ist schon was dran." Bötefür liebt Selbstständigkeit, hat vielleicht den Hang zur Eigenbrötlerei, der Anglern mitunter nachgesagt wird. Wobei: Wenn jemand versucht, in Deutschland als Raubfischguide sein Einkommen aufzubessern, muss er zwangsläufig auf Menschen zugehen können und auch eine pädagogische Ader haben. Kann er, hat er.

Dass dazu Durchhaltevermögen kommt, versteht sich von selbst. In anderen Ländern ist Guiden, also das Führen von Gästen zu Angelplätzen und die Weitergabe von Fachwissen, eine Selbstverständlichkeit, im Sinne des Naturschutzes sogar oft vorgeschrieben. Hier, im Ruhrgebiet ist Bötefür ein Exot. Er kennt noch einen Kollegen, der das am Niederrhein versucht.

"Aber gucken Sie doch mal, was wir hier für tolle Gewässer haben. Mit dem Strukturwandel blühte die Natur wieder auf, alle Gewässer wurden sauberer." Hier glüht der Lokalpatriot. Paradebeispiele sind für ihn die Ruhr und zunehmend der Rhein. "Den Fluss mag ich sehr", sagt der Mann, der seinen Doktor mit "Reiseberichten aus dem 30-jährigen Krieg" im 17. Jahrhundert am Lehrstuhl von Paul Münch in Essen baute.

Als Dozent in Thailand

Danach begann seine Reisezeit als Dozent an diversen Bildungseinrichtungen in Deutschland, anschließend zog es den Asien-Fan als Gastdozent an die Songkla University in Süd-Thailand. "War aber nicht doll dort, eine Moslemprovinz, irgendwie war die Atmosphäre ständig aufgeladen." Dann doch lieber wieder heim ins beschauliche Oberhausen und frisch ans Werk: schreiben, schreiben, schreiben - über alles, wovon er Ahnung hat. Dass Angeln dazu gehört , hat er seinem Großvater zu verdanken. Der schenkte ihm im zarten Alter von fünf Jahren den ersten Bambusstecken und der Alstadener Junge begann daraufhin, die Ruhr zu erkunden. Nach 35 Jahren darf man sich getrost Fachmann nennen.
"150 Zander fange ich im Jahr, dazu kommen Hechte und Barsche, in letzter Zeit auch immer öfter Rapfen, selten Welse. Immer mit Kunstködern wie Blinkern, Spinnern, Wobblern oder Gummifischen, die meisten Fische werden zurückgesetzt, weniger gehen an Bekannte und Familie. "Ich bin Fischstäbchenesser", bekennt er verschämt eine nicht nur in Angelkreisen verbreitete Geschmacksauffälligkeit.

In Fachmagazinen gibt er sein Praxiswissen wieder, und hat auch den vielbeachteten "Angelführer Ruhrgebiet" geschrieben. Nächsten Monat erscheint von ihm im Klartext-Verlag das nächste Buch: "Angelführer Niederrhein". "Der Rhein bei Wesel oder Xanten ist sehr gut für Zander", sagt der Kenner. Mit den Buchveröffentlichungen kamen Anfragen, ob er denn nicht an die besten Plätze führen könnte. So entstand sein nächstes Standbein: Raubfischguide Dr. Markus Bötefür, prangt es lustig auf seiner Visitenkarte.

Kommissarin heißt Fischer

Weil zwischen den Fischgängen immer noch Zeit ist, setzte er sich an seinen Computer und ersann die Figur der Kommisarin Thi Fischer. Die nimmt ihre Arbeit in Bötefürs erstem Krimi "Leichenschau" natürlich in Oberhausen auf und ermittelt demnächst weiter. Der Doktor arbeitet dran.Historisches, Reise- und Kulturberichte: www.markus-boetefuer.de. Informationen zum Fischfang an Rhein und Ruhr: www.raubfischguide.de. Bötefürs Lieblingsstellen: Liricher Kanalschleuse (Barsch), Alstadener Ruhr (Hecht, Barsch), Ruhrmündungsstück (zusätzlich Zander und Rapfen), Rhein zwischen Duisburg und Wesel (Zander).“

 

ruhr-guide, April 2007

Das Krimi-Debüt von Markus Bötefür spielt mitten im Ruhrgebiet. Genauer in Oberhausen, wo sich nicht nur das CentrO befindet, sondern sich auch neuerdings jede Menge Leichenteile finden.

[ruhr-guide] Genauer gesagt sind es immer die gleichen Extremitäten, die Kommissarin Thi Fischer vor unlösbare Probleme stellen: Männerarme. Auf Ellbogenhöhe fachmännisch abgetrennte Männerarme. Ist es zuerst nur einer, werden sie bald mehr: nach dem ersten Fund im Kaisergarten folgen bald weitere im gesamten Stadtgebiet und darüber hinaus. Aber wo sind die ehemaligen Besitzer? Keine Leichen, aber jede Menge Fragen hat Frau Fischer, im Oberhausener Friedensdorf aufgewachsene Vietnamesin, in ihrem ersten Fall am Hals.

Und dazu noch jede Menge skurrile Typen wie den Kenia-Werner, Dieter Brom, der ewige Möchtegern-Täter, eine zickige Domina oder einen seltsamen Pathologen mit noch seltsamerem Musikgeschmack. Und nicht zuletzt ihre Kollegen, die sich allabendlich in der Oberhausener Eckkneipe versammeln und zusammen mit ihr das eine oder andere Bier kippen. Thi Fischer, als Kommissarin auch mal bereit, das Gesetz etwas eigensinnig zu interpretieren, stößt ausgerechnet in ihrem Urlaub in Thailand auf die erste heiße Spur. Und leiht sich anschließend in Holland einen Arm als Köder ...

Und abends ein Pils und einen Kurzen

Der erste Roman von Markus Bötefür ist ein typischer Ruhrgebietskrimi voller Lokalkolorit, vieler bekannter Ecken in Oberhausen und noch mehr schräger Typen. Trotz der vielen Männerame ist "Leichenschau" ein unblutiger Krimi, der ganz ohne Leichen auskommt - zumindest im üblichen Sinne – und trotzdem hoch spannend ist. Für jeden Krimi Fan im Revier ein Muss! Im Ruhrgebiet kennt Markus Bötefür sich aus: hier ist der promovierte Oberhausener Historiker und Journalist nicht nur zu Hause und als Angelexperte und Autor hervorragender Angelbücher bekannt, sondern auch als Raubfischguide unterwegs. Einen Artikel zum Thema Angeln im Ruhrgebiet von Markus Bötefür finden Sie hier.

Fazit: Der Krimi "Leichenschau" ist ein gelungener Einstieg von Bötefür in das Krimi-Genre. In Zukunft wird von der sympathischen Kommissarin sicher noch einiges zu hören sein!

 

NRZ, Februar 2007

Erster Krimi aus Oberhausen LITERATUR. Gerade erschienen: Der promovierte Historiker Markus Bötefür webt Lokalkolorit in seinen spannenden Debüt-Roman "Leichenschau".

So geht´s los: Rita Stutensee macht einen gemütlichen Spaziergang mit ihrem Schäferhund Nero durch den Kaisergarten. Eine halbe Stunde später muss sie von einer Notärztin versorgt werden. Grund: Ihr Rüde apportierte statt eines Stöckchens einen menschlichen Unterarm - sauber abgetrennt. Wer macht nur sowas? Fragt sich auch Thi Fischer. Die Kommissarin der Oberhausener Mordkommission muss sich bereits seit Monaten mit herrenlosen Extremitäten herumplagen und hat nicht den Hauch eines Anhaltspunktes. Verteilt ein Serienmörder seine Opfer häppchenweise im Ruhrgebiet? Handelt es sich um Dumme Jungen-Streiche? Oder treibt ein verrückter Leichenfledderer sein Unwesen?

Idee kam am Kanal

Der Oberhausener Markus Bötefür ist unter die Krimi-Autoren gegangen. "Leichenschau" heißt sein Debüt und steht seit der vergangenen Woche in den Regalen der Buchläden. Die Idee zur Geschichte sei ihm spontan gekommen - als er in aller Ruhe pfeiferauchend und angelnd am Kanal saß, Gedanken nachhing und vor sich hin sinnierte, erzählt der Autor.

Die Hauptfigur gab´s allerdings schon vorher: "Thi Fischer" ist entstanden, als der heute 41-Jährige versuchte, einstige Spielkameraden aus dem Friedensdorf ausfindig zu machen. Als das nicht gelang, blieb ihm nur die Möglichkeit, seinen Freunden von damals fiktive Werdegänge zu verpassen. Dabei herausgekommen ist Thi: in Vietnam geboren, und im Friedensdorf zu 1,49 Meter herangewachsen, schmeckt ihr das Feierabend-Bierchen in der Stammkneipe so gut wie das thailändische Essen ihrer besten Freundin Mali.

"Die Menschen im Ruhrgebiet sind einfach Spitzenklasse", meint der in Alstaden aufgewachsene Bötefür. In der Literatur seien sie aber zu selten vertreten, dachte sich der promovierte Historiker (Studium von Geschichte und Germanistik in Essen) und schritt alsdann zur literarischen Verarbeitung von Geschichten, die er alle in irgendeiner Weise selbst schon erlebt hat.

Episoden eigenen Ruhrpott-Lebens

Menschliche Gliedmaßen habe er zwar noch nie gefunden, aber ansonsten wimmele der Roman nur so von Episoden seines ureigenen Ruhrpott-Lebens, erzählt der Schriftsteller mit verschmitztem Lächeln.

Und weil 41 Jahre in Oberhausen - eigentlich 40, denn ein Jahr verbrachte der Asien-Fan als Gastdozent für Germanistik in Thailand - jede Menge Erzählstoff liefern, ist eine Fortsetzung bereits in der Mache.

Hörspiel ist in Arbeit

Ebenso ein Hörspiel. Das würde sich in Sachen "Leichenschau" gut machen. Da kommt Thyssen-Pensionär Otto gesprochen auch bestimmt noch besser rüber als Schwarz auf Weiß, bitte laut lesen: "Ich hab schon für die Frau gesacht, das ist ja sagenhaft mit die Arme überall. Habt ihr der Rest schon gefunden?" "

Leichenschau" ist 2007 im KBV-Verlag erschienen, 240 Seiten, 9,50 Euro. Ab sofort in allen Buchläden und unter www.kbv-verlag.de erhältlich.